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Keine einfache Entscheidungsfindung

 

 

Vor 50 Jahren haben sich die Stadt Horstmar sowie die damals selbständige Gemeinde Leer zur Stadt Horstmar zusammengeschlossen. Die Entscheidung basiere auf der Weitsicht der damaligen Vertreter in Stadt und Gemeinderat, die mehrheitlich für den kommunalen Zusammenschluss stimmten, heißt es in einer Einladung an die Bevölkerung, an den am 28. und 29. September stattfindenden Feierlichkeiten teilzunehmen.

So ganz einfach war die Entscheidungsfindung nicht, denn es gab jahrelange Diskussionen auf höchster Landesebene im Zuge der anstehenden kommunalen Neuordnung. Im Gespräch war damals ein Zusammenschluss mit der Stadt Horstmar oder ein Zusammengehen mit der Großgemeinde Burgsteinfurt. Für Leer stand im Jahre 1969 die Alternative fest, entweder einem freiwilligen Zusammenschluss zuzustimmen oder auf eine gesetzliche Regelung zu warten. Wohin die Reise bei einer gesetzlichen Regelung hingehe, ließ sich nicht absehen.

Die damaligen 13 Bürger von Leer, die den Gemeinderat bildeten, wollten sich das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen. Sie wollten die Entscheidung nicht allein treffen und luden die Bevölkerung bereits ab 1967 zu verschiedenen Versammlungen ein. Dabei wurde deutlich, dass die Zeit drängte denn Dr. Heidemann von der Bezirksregierung machte damals deutlich, dass alle freiwilligen Lösungen bis zum Herbst 1969 abgewickelt werden sollten. Allerdings war die Stimmung im Ort bezüglich eines Zusammenschlusses mit Horstmar recht unterschiedlich, auch im Rat gab es keine klare Mehrheit, wobei sich eine kleine Tendenz in Richtung Horstmar abzeichnete.

Der inzwischen verstorbene Carlfried Graf von Westerholt, ein klarer Befürworter der Lösung mit Horstmar, nannte dafür auch gleich mehrere Gründe. In Horstmar stelle man ein Drittel der Ratsmitglieder, in Burgsteinfurt nur eine Minderheit. Es gab einen weiteren Grund für Horstmar-Sympathien: In Leer war gerade die Flurbereinigung abgeschlossen worden mit finanziellen Belastungen für die Landwirte. In Burgsteinfurt stand sie noch bevor. Im schlimmsten Falle wären Landwirte doppelt zur Kasse gebeten worden. Außerdem hatte man erfahren, dass die Burgsteinfurter finanziell nicht auf Rosen gebettet waren. Carlfried Graf von Westerholt erzählte immer gerne vom Anruf eines CDU-Ratsherren aus Burgsteinfurt, der wissen wollte, wohin Leer tendiere. Als dieser vom Trend in Richtung Horstmar hörte, war er schon erleichtert und erklärte: "Wenn Leer nach Burgsteinfurt kommt, bekommt die CDU in Burgsteinfurt eine katholische Mehrheit und das müssen wir auf jeden Fall verhindern."

Inwieweit die Religion bei der dann späteren Entscheidung für das Zusammengehen mit Horstmar eine wichtige vielleicht sogar eine wesentliche Rolle spielte, lässt sich  vermuten. UWG-Ratsherr Anton Greive stattete den Ordensschwestern des Hauses Loreto einen Besuch ab. Dabei wies er unter anderem auf die Religionsunterschiede hin, zum einen auf das überwiegend  evangelische Burgsteinfurt und zum anderen auf das katholische Horstmar. "Sie können mitbestimmen" ermunterte er die Ordensschwestern, an der Abstimmung teilzunehmen. Wie sie konnten alle die vom Gemeinderat gestellten Frage mit Ja oder Nein beantworten: Sind Sie für einen freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Horstmar und Leer. Man muss kein Prophet sein um anzunehmen, für wen sich die katholischen Nonnen damals entschieden. Diese Entscheidung fiel dann am 23. Februar 1969 knapp aus: 502 Bürger entschieden sich für Horstmar und 381 für die Selbständigkeit der Gemeinde bis zu einer von höheren Stelle verordneten Neugliederung, die möglicherweise in Richtung Burgsteinfurt gegangen wäre. Die Leerer Ratsmitglieder folgten dem Ergebnis der Bürgerbefragung und votierten einstimmig für den Zusammenschluss mit Horstmar.

Für viele war es ein schwerer Entschluss, wie der damalige Bürgermeister Bernhard Berning bemerkte. Er erinnerte daran, dass man in Leer 1968 das 750jährige Bestehen hätte feiern können. Es wurde darauf verzichtet und das Geld für einen Kindergarten bereitgestellt. Der Stammtisch "Schluckspechte" rief auf zu einem Trauermarsch, bei dem der Ort zu Grabe getragen wurde. Der damalige Stadtdirektor Ernst Fasen äußerte sich wie folgt: "Horstmar ist auf Leer und Leer auf Horstmar angewiesen. Jetzt sind wir Brüder und wollen uns auch so benehmen." Leer brachte 26,5 Quadratkilometer in die Ehe mit Horstmar, das Gebiet der damaligen Stadt Horstmar betrug 18,2 Quadratkilometer.

UWG Ratsmitglied Anton Greive und Bürgermeister Bernhard Berning machten aber ganz deutlich, dass noch manch harter Strauß mit den Horstmarern auszufechten sein werde. In den Nebenabreden zum Gebietsänderungsvertrag wollte man die Chancen nutzen, um sich zu positionieren. Es gab derer insgesamt elf. Einige von ihnen wurden im Laufe der Zeit erfüllt, andere nicht realisiert, weil einfach die Zeitverhältnisse über sie hinweggeschwappt waren. Das sind die elf Nebenabreden und deren Erfüllung:

1. Die neu gebildete Gemeinde ist verpflichtet, im Ortsteil Leer eine Grundschule zu unterhalten und um eine Gymnastikhalle und – wenn die Schulbauförderungsrichtlinien es vorsehen – ein Lehrschwimmbecken zu errichten. Grundschule und Gymnastikhalle sind vorhanden, der Bau eines Lehrschwimmbeckens war aus finanzieller Sicht reine Utopie und wurde auch nicht weiter verfolgt.

2. Die Lehrerdienstwohnungen in Leer sind vorrangig für die Unterbringung der an der Leerer Grundschule tätigen Lehrkräfte zu verwenden. In den Räumen der ehemaligen Marienschule hat heute die Jule ihre Räume.

3. Die Gemeinde verpflichtet sich, am Sportplatz in Leer Umkleidekabinen mit sanitären Anlagen zu errichten. Diese Bedingung ist erfüllt worden. Die Umkleidegebäude sind heute allerdings bereits stark sanierungsbedürftig.

4. Die neu gebildete Gemeinde bemüht sich, eine neue direkte Straßenverbindung zwischen Horstmar und Leer als Kreisstraße zu schaffen. Entsprechende Planungen hat es nie gegeben.

5. Die neue Gemeinde wird den Feuerschutz in Horstmar und Leer durch Freiwillige Feuerwehren sicherstellen. In Leer gab es das sogenannte "Spritzenhäuschen". Es hatte weder sanitäre Anlagen noch einen Aufenthaltsraum. Es dauerte bis zum Jahre 1983, bis das Feuerwehrgerätehaus am Nahen Weg errichtet wurde. Heute entspricht dieses nicht mehr den Anforderungen und soll im nächsten Jahr erweitert werden. Heute besteht die Freiwillige Feuerwehr aus den Löschzügen Horstmar und Leer.

6. Die neue Gemeinde wird in Fortsetzung der bisherigen Übung in Leer jährlich eine Kirmes veranstalten. Die traditionell am letzten Wochenende terminierte Kirmes existiert nicht mehr. Ein Versuch vom ehemaligen Gastwirt Uwe Wilpers, die Kirmes zu beleben, ist mangels Interesse gescheitert.

7. Die Gemeinde verpflichtet sich, in Leer einen Leichenwagen zu stationieren. Diese Nebenabrede hat sich von selbst erledigt. Heinrich Raus fuhr mit einem Pferdegespann diesen Leichenwagen. Es war im Winter 1970, die Straßen waren glatt, das vor dem Leichenwagen angespannte Pferd fiel vor der Gaststätte Tante Toni hin und war nicht mehr zu bewegen aufzustehen. Notgedrungen sprangen die Nachbarn der Verstorbenen ein und schoben den Leichenwagen bis zum Friedhof am Nahen Weg. Fortan wurden motorisierte Leichenwagen einsetzt, die nicht in Leer stationiert waren.

8. Die neue Gemeinde wird in ihrem Haushalt für die Kulturpflege in Leer wenigstens 1.300 € bereitstellen. Die Stadt unterstützt jährlich den Ortskulturring.

9. Die Gemeinde wird in ihrem Haushalt für die Jugendvereine in Leer wenigstens 1.900 € jährlich bereitstellen. Das Geld wurde jährlich über den Ortsjugendring an die Vereine verteilt. Den Ortsjugendring gibt es nicht mehr, die Stadt zahlt Zuschüsse insbesondere an den Sportverein.

10. Die neue Gemeinde verpflichtet sich, die Aufschließung von Baugebieten in Leer nach Kräften zu unterstützen. Außerdem ist sie nach Kräften bemüht, die Ansiedlung von Gewerbe- und Industriegebieten in Horstmar und Leer paritätisch zu fördern. In Leer wurde das Baugebiet Grollenburg und das Gewerbegebiet Dorfesch geschaffen. Ein neues Baugebiet ist in der Diskussion.

11. Die Sitzungen des Rates der neu gebildeten Gemeinde Stadt Horstmar-Leer werden abwechselnd in Horstmar und Leer abgehalten. Ratssitzungen finden heute in der Regel im altehrwürdigen Rathaus in Horstmar statt.

"Eine Liebesehe kann es zwischen Horstmar und Leer nicht geben, aber eine Vernunftehe. Dort kann die Liebe dann Einkehr halten. Denn eine Ehescheidung gibt es nachher nicht mehr" formulierte beim Zusammenschluss Stadtdirektor Ernst Fasen. "Wir fühlen uns im Rat als gleichberechtigte Partner, haben gegenseitig keine Berührungsängste und praktizieren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit", stellt Ludger Hummert "Bürgermeister von Leer" rückblickend auf die letzten Jahre fest. "Der Zusammenschluß funktioniert so gut wie noch nie" betont Bürgermeister Robert Wenking. In diesem Zusammenhang nennt er die gute Stimmung im Rat zwischen den Horstmarer und Leerer Ratsherren. Im Jugend- und Sportbereich arbeite man eng zusammen. In der Feuerwehr mit den beiden Löschzügen gebe es keine Berührungsängste. Die ehemals selbständigen landwirtschaftlichen Ortsvereine haben sich zusammengeschlossen. Die Fusion der beiden Kirchengemeinden von St. Gertrudis Horstmar und Ss. Cosmas und Damian in Leer haben zum Zusammenwachsen beigetragen.