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Erläuterungen zur Erinnerungsstele

 

 

Diese Stele erinnert an das 1125-jährige Jubiläum des Ortsteils Leer im Jahr 2015. Das Jubiläum begründete sich aus den ältesten bekannten Aufzeichnungen in der damaligen Abtei Werden bei der heutigen Stadt Essen; dort finden sich in einem Heberegister aus dem Jahr 890 Eintragungen zu Abgaben, die von einem Hof in Leer in Westfalen („… ad curtem in Leheri …“) zu leisten waren.

Im Rahmen einer Feierstunde wurde dem Festausschuss die in der Stele befindliche Sandsteintafel vom Bürgermeister und Schirmherren des Jubiläums, Robert Wenking, überreicht. Sehr bald war man übereingekommen, diese Sandsteintafel nicht einfach irgendwo im Ort an einer Wand zu montieren, sondern sie mit einer aufgemauerten Stele zur Geltung zu bringen. Aus diesen Überlegungen heraus entstand auch die Idee, die Stele zusätzlich mit einer Bronzearbeit aufzuwerten.

Für das Bronzerelief auf der Stele konnte der hiesige Künstler Erich Büscher-Eilert gewonnen werden. Gemeinsam mit dem hiesigen Ortskulturring-Vorstand wurde überlegt, wie der gute Zusammenhalt in unserem Dorf bildlich dargestellt werden könnte. Schließlich konnte am 03. November 2018 die Stele von allen in der Sache Beteiligten enthüllt und in einer kleinen Feierstunde der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Darstellungen auf dem Bronzerelief erklären sich folgendermaßen:

Im oberen linken Bereich entdecken wir eine Prozessionsgruppe mit dem Kreuzträger und einem Geistlichen mit der Monstranz. Die gesamte Gruppe strebt dem Dorf zu, um in der markant dargestellten Kirche Ss. Cosmas & Damian die Prozession zu beenden. Unser Dorf hat nach wie vor eine sehr deutliche katholische Ausprägung. Zwischen Vereinen, Verbänden und der Kirche vor Ort existiert eine gut funktionierende Kooperation.

Auf derselben Bildebene findet sich etwas weiter rechts eine weitere wichtige Gruppierung unseres Dorfes, die Freiwillige Feuerwehr. Leer hat einen eigenen Löschzug, der sehr aktiv ist und gute Jugendarbeit leistet. Im Bild sieht man im Dorf Flammen aus einem Dach lodern – umgehend rücken die Kameraden zur Brandbekämpfung aus.

Neben dem Thema Feuerwehr ist rechts davon eine Person mit einem Seil zu erkennen. Dies ist der Hinweis auf das sehr seltene Handwerk der Seilerei. Bereits 1889 in Leer gegründet, führt die Familie Hölscher diesen Betriebszweig seit 2014 in Schöppingen fort. Geblieben ist in Leer aber die Reeperbahn, auf der über viele Jahre kräftige Taue u.a. für Schiffsbedarf geschlagen wurden. Aus dem Seilereibetrieb heraus entwickelte sich eine weitere Betriebssparte, die Produktion von Reitsportzubehör, die ebenfalls zahlreiche Arbeitsplätze bietet.

Die Gruppierung auf dieser Bildebene weiter rechts weist auf das Handwerk des Zimmermanns und das des Maurers hin. Viele Familien in Leer leben nach wie vor von diesen Handwerkszünften, derzeit werden mehr als ein halbes Dutzend Bauunternehmungen in Leer geführt. Früher hatte man als Maurer in der Winterzeit selten Arbeit, daher betätigten sich nicht wenige „Müerkes“, wie sie plattdeutsch genannt werden, als Schlachter und boten sich insbesondere bei Hausschlachtungen an. Nach getaner Arbeit erhielt der Schlachter in der Regel eine gute Portion an Fleisch und Wurst, so war auch in der Winterzeit für gutes Essen gesorgt.

Am oberen Bildrand begrenzen links wie rechts Waldstücke des Schöppinger Berges die Sicht des Betrachters. Weiterhin entdecken wir im Mittelteil des oberen Bildrandes im Kontrast von Neuzeit und Altertümlichem moderne Windkraftanlagen und eine alte Windmühle.“Schmeddings Mühle“ ist hier noch mit dem kompletten Mühlenkopf dargestellt. Heute finden wir nur noch das Mauerwerk der alten Mühle, der Mühlenkopf war 1928 bei einem Sturm herabgestürzt. Der hiesige Mühlen- und Heimatverein hat sich der Schmeddingschen Mühle und auch der etwas oberhalb am Leerbach gelegenen Wenningschen Wassermühle angenommen, so dass immer Pfingstmontags, am Deutschen Mühlentag, beide Mühlenanwesen für interessierte Besucher zur Besichtigung geöffnet sind. Nach besonderer Vereinbarung ist eine Besichtigung aber auch an anderen Tagen möglich.

Die Quelle des Lebens in Leer stellt sicherlich der „Leerbach“ dar – eine sichere Wasserquelle war unbedingte Voraussetzung für eine Besiedlung in der Frühzeit. Der Leerbach entspringt einem Quelltopf wenige hundert Meter oberhalb der Wenningschen Wassermühle am Fuße des Schöppinger Berges. Im Relief sehen wir den gekräuselten Wasserlauf, wie er sich aus dem Waldsaum Leer entgegen windet. Um 1910 brachten Wegearbeiten oberhalb von Schmeddings Mühle, in unmittelbarer Nähe zum Leerbach, archäologische Funde aus merowingisch-karolingischer Zeit ans Tageslicht. Die bisher ältesten Siedlungsnachweise für unseren Ort, Skelette, teils heidnische Grabbeigaben, Waffen etc., entstammen der Zeit um ca. 800 n.Chr.

In der mittleren Bildebene schiebt sich am linken Bildrand ein Mähdrescher auf einem Kornfeld ins Bild. Die Landwirtschaft bot und bietet vielen Menschen hier ein Auskommen. Wir finden etwas weiter unten die Fortsetzung des Themas mit einem Schnitter, der mit der Sense das Korn schneidet. Rechts neben dem Schnitter bindet eine Frau die geschnittenen Halme zu Garben auf, damit das Korn weiter trocknen kann.

Links am Feldrand findet sich eine Drei-Personen-Gruppe, die auch für drei Generationen steht. In Leer kümmert man sich umeinander, niemand wird alleine gelassen - dafür stehen auch aktive Gruppen wie die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), die Kolpinggruppe oder die Landfrauen. Der Jugendtreff Leer (JuLe) zielt mit seinen Angeboten insbesondere auf die Jugendlichen vor Ort ab.

Gehen wir noch einmal hoch auf die mittlere Bildebene, so finden wir neben dem Mähdrescher mit einem Zigarrenraucher und der Zigarrenschachtel in der rechten Hand den Hinweis darauf, dass ab 1907 eine Niederlassung der Zigarrenfabrik Fa. Rotmann aus Burgsteinfurt vielen Menschen hier Lohn und Brot gab. Die Fabrik befand sich im Areal vor dem heutigen Dorfladen.

Wenden wir uns auf der mittleren Bildebene der nächsten Szene zu, befinden wir uns mitten in einem Vogelschießen. Das Schützenwesen hat große Tradition in Leer, es gibt vier Schützenvereine mit den entsprechenden Schützenfesten und jeweils regem Vereinsleben, das sich aber auch stark an der Förderung des Gemeinwohls beteiligt. Zum Schützenfest gehört natürlich Musik unbedingt dazu, daher will der Posaunist links neben der Vogelstange mit seinem Instrument sicherlich den Königsschuss passend musikalisch herausstellen.

Das Thema Musik setzt sich in dieser Bildebene weiter fort mit einem Dirigenten und seinem Chor. Mit dem Kirchenchor und dem jungen Chor „Only Sometimes“ leben Jüngere und Ältere ihre Liebe zur Musik und den Spaß am Singen – und davon profitiert die Gemeinde reichlich bei diversen Anlässen. Ebenso positiv ist die jüngste musikalische Vereinigung in Leer eingeschlagen, die Blechbläsergruppe „Blick-Band“, hier steht „Blick“ im Plattdeutschen für „Blech“. Die Blechbläser und -bläserinnen haben ihr Repertoire zunehmend erweitert und treten bei vielen öffentlichen Anlässen mit ihrem Können auf. Am mittleren rechten Bildrand sehen wir sicherlich einen Trompetenspieler der „Blick-Band“.

Bleibt noch, die Szene in der rechten unteren Bildecke in den Blick zu nehmen. Hier sind wir direkt im Sportgeschehen von Leer. Der Fußballsport hat eine lange Tradition und verbindet bei Westfalia-Leer die Generationen insbesondere bei Heimspielen im Leerbach-Stadion. In der sehr aktiven Jugendarbeit kooperiert man gut mit Horstmar und auch der Mädchenfußball wird stark gefördert. Weitere gut etablierte Sportarten in Leer sind Tennis und der Reitsport.

Überhaupt ist die ganze Erinnerungsstele ein deutlicher Ausdruck des guten Zusammenwirkens und des guten Zusammenhalts hier in Leer. Es wurde reichlich gespendet, kräftig gebuddelt, emsig betoniert und gemauert, wie auch künstlerisch gestaltet. Wir hoffen, das ist auch im Bronzerelief von Erich Büscher-Eilert gut herausgearbeitet und mit dieser Erklärung gut für Sie nachvollziehbar geworden – danke für Ihr Interesse!